Bauland besser nutzen, Landschaft schützen
Argumentarium zur Wohnraum-Initiative der FDP Einsiedeln
Die Ausgangslage: Drei leere Wohnungen auf 1’000
Wer in Einsiedeln eine Mietwohnung sucht, kennt die Lage. Die Leerstandsquote liegt bei rund 0.3 Prozent – weit unter der Grenze von einem Prozent (Wohnungsnot).
Die Folgen spüren immer dieselben: junge Einsiedlerinnen und Einsiedler, die ihre erste eigene Wohnung suchen. Familien, die ein Zimmer mehr bräuchten. Ältere Menschen, die ihr zu gross gewordenes Haus gerne verlassen würden – aber nichts Passendes im Dorf finden. Schon um die heutige Bevölkerung zu halten, braucht es zusätzliche Wohnungen, da die Anzahl Personen pro Haushalt stetig sinkt, wie die Grafik unten zeigt.
Kennzahl | Wert |
|---|---|
Leerstandsquote | 0.3 % – drei freie Wohnungen auf 1’000 |
Personen pro Haushalt | 2.22, von 2.35 im Jahr 2015 |
Zusätzlich nötige Wohnungen bis 2050 | rund 1’250 gemäss Richtplan des Bezirks Einsiedeln |
Was die Initiative verlangt
1. Die Überbauungsziffer wird gestrichen. Und sie wird nicht durch eine neue Nutzungsziffer ersetzt. Die Überbauungsziffer begrenzt heute, welcher Anteil einer Parzelle überhaupt mit Gebäuden bedeckt werden darf – unabhängig davon, ob ein Bau ins Quartier passt oder nicht.
2. Das Baureglement wird verschlankt. Gezielt vereinfachen statt bei jeder Revision neue Vorschriften anhäufen. Bauen ist heute schon durch ein dichtes Werk an Vorgaben geregelt. Halten wir dem etwas entgegen.
Die Initiative «Bauland besser nutzen, Landschaft schützen» wurde am 2. April 2025 von der FDP.Die Liberalen Einsiedeln als allgemeine Anregung eingereicht. Bei einem Ja arbeitet der Bezirksrat die konkrete Formulierung des Baureglements aus – die Stimmberechtigten entscheiden darüber ein zweites Mal.
Zum Verständnis: Was die Überbauungsziffer heute verhindert
Sie legt fest, wie viel Prozent eines Grundstücks mit Gebäuden überbaut werden darf. Fällt sie weg, bilden die Grenzabstände die Grenze – nicht die Willkür. Der Zugewinn ist vor allem für typische Einfamilienhäuser in der W1 und W2 Zone spürbar.
Die Argumente: Warum ein Ja richtig ist
Wohnraum für Einheimische
Mehr Spielraum auf dem eigenen Grundstück. Viele zusätzliche Wohnungen entstehen nicht auf der grünen Wiese, sondern auf Grundstücken, die längst bebaut sind: ein Anbau, ein Ersatzneubau, eine bessere Ausnutzung. Wo es die Parzelle erlaubt, wird eine Einliegerwohnung für die eigenen Kinder, die Eltern oder die Geschwister möglich.
Bauland nutzen, das schon in der Hand der hiesigen Bevölkerung ist. Dieses Land ist vorhanden, erschlossen und teilweise seit Jahrzehnten in Familienbesitz. Wenn Eigentümer dort zusätzlichen Wohnraum schaffen können, entsteht er nicht erst nach einer Neueinzonung und einem Verkauf an den Meistbietenden – sondern dort, wo Menschen bereits verwurzelt sind und die Infrastruktur steht.
Wenn Grosseltern Platz für junge Familien machen. Die Grosseltern leben allein im grossen Einfamilienhaus. Auf dem Grundstück wäre Platz für eine kleinere, altersgerechte Wohnung. Können sie diese bauen, wird das bisherige Haus für eine junge Familie frei. Solche Lösungen schaffen nicht nur Wohnraum, sie ermöglichen einen Generationenwechsel innerhalb unserer Quartiere und Viertel.
Landschaft und Lebensqualität
Wiesen erhalten, Landschaft schonen. Je mehr Wohnraum auf bereits bebauten oder erschlossenen Grundstücken entsteht, desto geringer wird der Druck, für zusätzliches Wachstum neues Grün- und Kulturland zu beanspruchen. Innenentwicklung ist der wirksamste Landschaftsschutz, den eine Gemeinde selbst in der Hand hat.
Wachstum verteilen, statt zu konzentrieren. Der kommunale Richtplan bezeichnet Verdichtungsgebiete wie Gerbe, Heidenbühl und Kornhausstrasse und rechnet dort mit rund 1’200 bis 1’800 zusätzlichen Einwohnern und Beschäftigten – konzentriert auf wenige Orte im Dorf. Die Initiative setzt einen anderen Akzent: Sie öffnet die baulichen Möglichkeiten in den bestehenden Wohnzonen breiter – im Dorf ebenso wie in Bennau, Egg, Euthal, Gross, Trachslau und Willerzell. Schrittweise, quartierverträglich, überall ein bisschen.
Wohnen und Verkehr gemeinsam denken. Derselbe Richtplan nennt ausdrücklich das Ziel, die Zürichstrasse vom motorisierten Verkehr zu entlasten. Gleichzeitig sollen allein in Heidenbühl und an der Kornhausstrasse rund 700 bis 1’000 zusätzliche Einwohner und Beschäftigte Platz finden. Das verschärft genau dort den Verkehr, wo man ihn reduzieren will. Verteiltes Wachstum verteilt auch die Pendlerströme.
Schulraum gehört zur Wohnraumpolitik. Der Bezirk verfolgt seit Jahrzehnten eine Viertelsstrategie und hat die Schulanlagen in Bennau, Egg, Euthal, Gross und Trachslau erneuert oder ausgebaut. Die Schulraumplanung zeigt Defizite im Dorf und Reserven in Trachslau
In Einsiedeln herrscht seit Jahren Wohnungsnot. Die Wohnraum-Initiative streicht eine einzige Vorschrift aus dem Baureglement: die Überbauungsziffer. Damit kann Wohnraum dort geschaffen werden, wo bereits gebaut, erschlossen und eingezont ist. Ohne eine einzige grüne Wiese neu als Bauland einzuzonen.